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Mein Weg zur Farbe - warum meine Wände nie weiß waren

Lina Dressler
12. Okt.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Okt.


Ich bin in einem bunten Haus aufgewachsen. Mein Kinderzimmer war im Laufe der Jahre blau, rot, grün und beige (gerne auch mal alles zusammen). Mal mit Fototapete, mal ohne. Nur eines war es nie: weiß.


Mein Kleidungsstil war lange Zeit ähnlich bunt. Erst als Jugendliche fand mein Zimmer schließlich zu einem tiefen Bordeauxrot mit verschiedenen Grauabstufungen. Und auch mein Kleiderschrank passte sich langsam dieser neuen Schlichtheit an.


Farben waren für mich schon immer selbstverständlich. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und habe mit ihnen experimentiert. Mal bekamen die Möbel einen neuen Anstrich, mal die Wände. Schon damals habe ich Farben ganz intuitiv an mich angepasst. Je nachdem, in welcher Lebensphase ich gerade steckte, veränderten sich auch die Farben um mich herum. Mein Zimmer war irgendwie immer ein Ausdruck davon, wer ich gerade war und wie ich mich gerade entwickelte.


Farben erzählen Geschichten


Ich erinnere mich noch gut an eine meiner ersten Kunstgeschichtsvorlesungen im Studium. Zum ersten Mal beschäftigten wir uns intensiver mit dem bewussten Einsatz von Farben, ihrer Geschichte und ihrer ganz eigenen Sprache.


Kunstschaffende nutzen Farben seit Jahrhunderten, um unseren Blick zu lenken, Stimmungen zu erzeugen oder bestimmte Details hervorzuheben. Manche Pigmente waren früher so kostbar, dass ihre Verwendung etwas über den Reichtum und gesellschaftlichen Stand der Personen verraten konnte.


Besonders spannend fand ich den unterschiedlichen Umgang mit Farbe in der italienischen Renaissance (bis heute eine meiner Lieblingsepochen). Während in Florenz und Rom häufig die Zeichnung und die klare Form im Mittelpunkt standen, entwickelte sich in Venedig eine Maltradition, in der Farbe und Licht eine zentrale Rolle spielten.

Venedig war als Hafenstadt natürlich ein bedeutender Handelsplatz für Waren aus aller Welt – darunter auch kostbare Farbstoffe und Pigmente.

Farbe war weit mehr war als ein Mittel, um etwas schön darzustellen. Sie war Ausdruck von handwerklichem Können, Wohlstand und künstlerischer Haltung.


Und auch außerhalb der Kunst kommunizieren wir bis heute durch Farben. Sie warnen uns, stehen für Frieden oder Protest, begleiten Trauer und Freude und prägen kulturelle Traditionen. Kurz gesagt: Farben begleiten uns unser ganzes Leben.


In meinem Leben haben dabei vor allem die Farben an den Wänden eine besondere Rolle gespielt.


Ein Zuhause voller Wandfarben


Ich war ungefähr sechs Jahre alt, als meine Mama mit ihren ersten Farbberatungen begann. Für mich war es deshalb völlig normal, von unterschiedlich gestalteten Wänden umgeben zu sein. Ich fühlte mich unglaublich wohl in unserem Haus. Und in mal mehr, mal weniger farbigen Räumen.


Wie sehr ich diese Farben gewohnt war, merkte ich allerdings erst, als sie plötzlich fehlten.

Als ich zum Studium auszog, waren die Wände meiner ersten Mietwohnungen weiß. Und obwohl ich schon damals viel Freude am Einrichten hatte, fehlte mir immer etwas in meinen Zimmern. Ich versuchte es mit großen Postern, Bildern und Stoffen. Hauptsache, die Räume bekamen ein bisschen Persönlichkeit. Aber so richtig zufrieden war ich damit nicht.


Während meiner Studiumszeit beschäftigte ich mich immer wieder mit Feng Shui. Traumatisiert von so mancher WG-Erfahrung las ich mich besonders intensiv in die Frage ein, warum sich Unordnung scheinbar immer an denselben Orten ansammelt...und dafür hatte die Feng-Shui-Lehre einige spannende Erklärungen.

Rückblickend war das wohl der Anfang einer Entwicklung, die sich damals noch gar nicht wie eine berufliche Idee anfühlte.


Das erste gemeinsame Farbkonzept


In meiner dritten Wohnung war es endlich so weit.

Gemeinsam mit meiner Mama entwickelte ich unser erstes Farbkonzept für meine eigene Zweizimmerwohnung.

Und diesmal blieb es nicht bei Bildern und Postern. Die Wände bekamen ENDLICH Farbe.


Ich erinnere mich noch daran, wie viel Freude es mir machte, die ausgewählten Farbtöne selbst aufzutragen. Mit jedem Pinselstrich veränderten sich die Räume. Aus einer Wohnung wurde nach und nach mein Zuhause.


Zwei Jahre später folgte unser nächstes größeres gemeinsames Projekt. Mein Studium neigte sich inzwischen dem Ende zu, und zwischen Farbfächern, Raumplänen und Gesprächen entstanden die ersten Spinnereien.

"Was wäre eigentlich, wenn wir irgendwann gemeinsam Farbe an die Wand weiterführen würden?"


Zwei Generationen, eine Leidenschaft


Die Zusammenarbeit funktionierte erstaunlich gut. Vielleicht gerade deshalb, weil wir unterschiedliche Stärken mitbrachten.

Meine Mama mit ihrem enormen Feng-Shui-Wissen, ihrer langjährigen Erfahrung und ihrer Synästhesie, durch die sie Farben auf eine ganz besondere Weise wahrnimmt.

Ich mit meinem Blick für Gestaltung, vorhandene Einrichtungen und die feinen Farbnuancen, die ein Raumkonzept am Ende stimmig machen.


Wir ergänzten uns an genau den richtigen Stellen. Und aus einer Idee, über die wir zunächst eher beiläufig gesprochen hatten, wurde nach und nach etwas Konkretes.

Heute, zwei Jahre später, sitze ich hier und schreibe den ersten Journalbeitrag für unsere neue Website.


Eine neue Generation Farbe an die Wand. Mit der Erfahrung meiner Mama, einigen Neuerungen und unserer gemeinsamen Begeisterung für die Wirkung von Wandfarben.

 
 
 

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